Neulich hatte ich eine wirklich erstaunliche Begegnung: ich habe auf einem Abendessen neben jemandem gesessen, der unheilbar schwerkrank ist. Zunächst dachte ich, oh je … was soll ich nur mit ihm reden und war ziemlich verunsichert. Zumal mir Smalltalk so gar nicht liegt und auf Knopfdruck lustig bin ich eigentlich auch nicht.
Ich hab mich wirklich überwinden müssen, aber ich hab dann doch gefragt, wie es ihm geht. Selten ist mir etwas so schwer über die Lippen gekommen.
Ich würde diesen Beitrag nicht schreiben, wenn die Antwort nicht erstaunlich gewesen wäre. Er sagte: „Mir geht es so gut wie noch nie.“
Wow …
Er sagte, er hat keine Sorgen mehr, er ist das erste Mal in seinem Leben frei. Er hat alles geregelt, was es zu regeln gibt und er hat mit allen Menschen, die ihm wichtig sind, Gespräche geführt und alle Fragen beantwortet, die sie an ihn haben. Wenn er morgen stirbt, gibt es nichts, was er noch erledigen muss oder was er noch gern klären wollte oder müsste. Er ist so für jeden Tag den er noch hat unendlich dankbar und geniesst jede Minute aus vollen Zügen.
Wie schlimm das Gegenteil der Fall ist, wenn man das alles nicht so gemacht hat, habe ich an meiner Mutter gesehen. Sie ist nicht „einfach“ und friedvoll gestorben. Sie hatte ihre „Dinge“ für sich nicht in ihrem Sinne geregelt, sie hat keine offenen Gespräche mit Menschen geführt, die ihr wichtig waren. Sie hat in ihren letzten Jahren keine Dinge gemacht, die sie gern noch erleben würde. Sie konnte noch nicht einmal sagen, was das wäre. Sie ist entsetzlich schwer gestorben, sie hat furchtbar gelitten. Es war schrecklich mit anzusehen und ich war die ganze Zeit bis zum Schluss dabei.
Es hat den Eindruck gemacht, als wenn ihre Seele durch das offene Fenster fliegt und ich war fast erleichtert, dass sie nun frei ist. Das hatte sie sich immer gewünscht. Fliegen zu können, wie ein Vogel.
Eigentlich sind es immer die gleichen Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben:
- Regelt eure „Dinge“.
- Verbringt eure freie Zeit mit Menschen, die ihr liebt oder zumindest sehr mögt und die euch gut tun.
- Seid dankbar für jeden Tag.
- … und es hilft, wenn ihr wisst, wofür ihr stehen wollt in eurem Leben.

Was für ein wundervoller Post. Die Intensität des Leidens mit der dazugehörigen Freiheit und das aus dem Leben gehen in einer Gefangenschaft der Zwänge, die einem eigetrichtert wurden und aus die diese Generation unserer Mütter nicht raus konnte.
Wenn wir wach sind, dann kann man daraus lernen und es viel besser machen. Danke für die Zeilen. Brita
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