Warum ist das eigentlich so schwer zu verstehen?
Vielleicht geht es euch auch manchmal so … ihr wundert euch, warum euer Gegenüber ganz einfache Sachzusammenhänge nicht versteht.
Dann fangt ihr an, es wie bei „Sendung mit der Maus“ zu erklären und trotzdem klappt es mit dem Verständnis oder der Einsicht nicht.
Das Ergebnis kann dann sein, dass man immer verzweifelter und wütender wird, rumschreit, auf den anderen losgeht oder Sachen durch die Gegend wirft. Vor Verzweiflung und Ratlosigkeit.
Ein klassisches Beispiel:
Ihr sagt eurem Partner immer wieder, dass euch etwas nicht gefällt und ihr damit nicht gut leben könnt. Das macht ihr eine zeitlang freundlich, dann ein bisschen bestimmter, dann verzweifelt bestimmter und so weiter. Aber nichts passiert und irgendwann entliebt ihr euch, trennt euch und der andere versteht überhaupt nicht warum.
Das Problem existiert nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch bei „grossen“ Themen.
Ganz ähnlich muss es auch Alex Bellini gehen, der ganz klar formuliert und sich persönlich über alle Maßen aufopfert, um zu zeigen, wie sich die Umwelt verändert und weiter verändern wird, wenn wir weiterhin so viel Plastik produzieren und wegwerfen. Es wird massive Auswirkungen auf unser Leben und Umfeld haben und jeder wird es zu spüren bekommen. Das passiert nicht vielleicht, sondern mit Sicherheit. Und dennoch kümmert es fast niemanden wirklich.
Prof. Dr. Ortwin Renn hat gut erklärt warum das so ist:
- weil es uns – außer bei einem zu heißen Sommer 2018 – nicht täglich und nicht mit plötzlichen Katastrophen trifft
- weil klimabedingte Ereignisse örtlich und zeitlich weit entfernt voneinander stattfinden
- weil sie hochkomplex sind, eng vernetzt mit anderen Risiken, strahlen auf unterschiedliche Wirtschafts- und Lebensbereiche aus, werden wegen ihrer Nicht-Linearität unterschätzt und sind schwer zu begrenzen.
- weil sie nicht nur nationale Grenzen überschreiten, sondern auch solche zwischen wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systemen
Systemischen Risiken mit ihren Ursache-Wirkungs-Ketten werden nicht wahrgenommen.
Und bei den „kleinen“ privaten Dingen ist es so, dass euer Partner, Kollege oder wer auch immer, einfach eine ganz eigene Denkstruktur hat, die anders ist, als eure. Nicht besser oder schlechter oder weniger wichtig, sondern einfach anders. Er kann die Komplexität eurer Gedanken und Erlebnisse gar nicht nachvollziehen können. Kein Mensch ist gleich. Alle haben andere Dinge erlebt, empfinden anders, haben andere Trigger, andere Schmerzen durchlebt und andere Ängste. Und jeder hat für sich „recht“. Die Brücke bei allem ist aus meiner Sicht Kommunikation, gepaart mit Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt und Liebe.
Sicherlich ist es nicht jedem gegeben, bei so grossen Themen wie dem Klima zu versuchen ein Bewusstsein in den Köpfen der Menschen zu erzielen. Aber im „Kleinen“ kann es jeder für sich selbst tun. Ich bin überzeugt, damit würde sich viel Streit, Hass und Neid untereinander erübrigen.
